Treffen mit Frau Ute Vogt von der SPD
 

 

Danke Frau Vogt:

Am 8. Juni hatten wir ein 3 1/2 stündiges Treffen mit der SPD-Bundestagsabgeordneten Ute Vogt in Stuttgart um die Erfahrungen des 17 1/2 Jahre zugefügten Leid meiner Mutter als ehemaliges Heimkind unter der Obhut des Staates und Kirchen zu thematisieren und gemeinsam über die aktuelle Situation der Aufarbeitung und Wiedergutmachung zu sprechen.

 

Wir möchten uns an dieser Stelle von ganzen Herzen bei Frau Ute Vogt für Ihre Zeit, Herzlichkeit und Menschlichkeit bedanken!


 

Unser Wunsch: Eine Bessere Aufarbeitung, eine besseres Verständnis in der Öffentlichkeit über die damaligen Verhältnisse. Das Betroffene Hilfeleistungen auch für Ihre noch heute zu tragenden Konsequenzen erhalten (Trauma Bewältigung, Rente, Zahn/Knochen-Defizite durch die frühkindliche Mangelerscheinungen, körperliche Einschränkungen durch Missbräuche, Strafen oder Schläge etc.).

Persönliches Ziel: Unser privater Wunsch – ein eigenes Buch-Projekt zu verfolgen um die Erlebnisse verarbeiten zu können. Besonders wichtig ist es vor allem meiner Mutter hierbei ein Buch mit Mehrwert zu verfassen. Kein "Tränen-Drama" - sondern mehr ein Buch das einem die Augen öffnen soll, Menschen hilft Kraft in schwierigen Lebenssituationen zu schöpfen und zu inspirieren. Hierfür wäre unser Wunsch einen geeigneten Autor/in zu finden – der das Projekt als "unabhängige" Instanz mit seiner/ihrer Erfahrung mit unterstütz.

 

 
 

Die Vorgeschichte

Um was geht es überhaupt?

Meine Mutter - Barbara Korytko - lebte 17 1/2 Jahre in verschiedenen Heim-Einrichtungen unter der Obhut des Staates und der Kirchen. Sie erlitt körperliche als auch seelische Grausamkeiten in dieser Zeit, Experimente und sexuellen Missbrauch durch einen ehemalig evangelischen Pfarrer. Sie schwieg Ihr Leben lang – und fasste 2015 erstmalig den Mut öffentlich darüber zu berichten, um dem Leid ein Ende zu setzten und Menschen zu helfen – deren ein solches Leid ebenfalls widerfuhr. Das verdanken wir vor allem der Akteneinsicht und der ersten Aufarbeitung durch das Landesarchiv in Stuttgart mit Ihrem Projekt: "Gefährdet und Verwahrlost - Heimerziehung in Baden-Württemberg" und insbesondere der Herzlichkeit und Unterstützung von Frau Schmeller-Müller.

Nachdem meine Mutter 2015 – eine von insgesamt 5 mutigen Zeitzeugen – sich dem schwierigen Thema in der Öffentlichkeit mit dem Projekt des Landesarchives BaWü "Gefährten und Verwahrlost – Heimerziehung in Baden Württemberg" öffnete und es in ganz Deutschland eine Wanderausstellung & Film hierzu gab und aktuell immer noch gibt
https://www.landesarchiv-bw.de/web/61033, hatte man große Hoffnung – das Verantwortung für das zugefügte Leid übernommen und es weitere Verbesserungen in Sachen der Aufarbeitung in der breiten Öffentlichkeit gibt – doch vieles kam anders als erhofft.

Fragen und Äußerungen weit unter der Gürtellinie insbesondere von der Kirche (die unmoralischer, herzloser und bürokratischer hätte nicht sein können) mussten die Ehemaligen über sich ergehen lassen – die Missbrauchserfahrungen durch ehemalige Pfarrern haben erleiden müssen. Da der Oberkirchenrat nach der Filmpremiere den Kontakt zu meine Mutter über das Landesarchiv suchte – mit dem Betreff man möchte ehemalige Missbrauchsopfer helfen und Ihnen einen Entschädigung zukommen lassen – waren wir zunächst einmal positiv überrascht.

Doch kann wurde uns kommentarlos ein Fragebogen – schon fast ein Katalog zugeschickt. Ohne ausgefüllten Fragebogen keine "Wiedergutmachung". Man erklärte uns: Es sei von Nöten, da sonst jeder behaupten könne – er ist ein Missbrauchsopfer. Fragen wie: War der Missbrauch eine schlimme Erfahrung für Sie? Detailfragen über den Ablauf, Tagesangaben, Uhrzeit – was man getragen hat etc.. Meine Mutter empfand die Fragen als Schmach und an Taktlosigkeit nicht zu übertreffen und lehnte die "Wiedergutmachung" der Kirche unter jenen Bedingungen ab – da man als Betroffene weder die Kraft noch Lust hat sich zu rechtfertigen und das Erlebte ständig wieder in Erinnerung zu rufen – zumal meine Mutter nicht gerade gut auf die Kirche anzusprechen ist.

Verständlich – da Sie durch die Kirchensteuer – bevor Sie austreten konnte / durfte – Ihren Peiniger hat jahrelang mitfinanzieren müssen und stets negative Erfahrungen mit Priestern, Pfarrern oder Nonnen im Heim gemacht hat. Schließlich standen Grabschereien, Schläge und Missbrauch an der Tagesordnung.

Neben der Verweigerung dieser Anträge und Fragebögen – antworteten wir jedoch dem Oberkirchenrat über das Landesarchiv – um auf diese Unverschämtheit Stellung zu nehmen– und erhielten nun knapp ein halbes Jahr später nicht einmal eine Antwort oder Reaktion.

Für viele Betroffene war der bürokratischer Druck, die in Zweifel gestellte Tatsachen, und  das Belächeln – wie eine zweite "Vergewaltigung" nur auf psychischer Ebene. Viele sind daraufhin in ein noch tieferes Loch gefallen und plötzlich war der Politik nur noch ein Thema wichtig: Flüchtlinge! Das eigene Volk wurde wieder aufs Abstellgleis gestellt – in der typischen Manier: jetzt warten wir einfach noch etwas, bis auch noch die restlichen Betroffenen aus dieser Zeit ableben, oder gänzlichen Lebensmut und Kraft verlieren – so das die Stimmen immer kleiner werden.

Wir möchten eins klar stellen – wir sind nicht gegen Flüchtlinge – aber gegen die Umsetzung und Handhabe. Einige sind aus Unrecht hier, einige haben fürchterliches erlebt. Die Handhabe und Umgang mit der Situation ist jedoch total entgleist. Ich finde es durchaus gerechtfertigt und berechtigt – sich über die Zweifel und Bedenken ehemaliger Heimkinder einmal Gedanken zu machen. Menschen helfen in allen Ehren – aber wieso kommt unser Volk an letzter Stelle? Kinder die Ihre gesamte Kindheit und Jugend haben Leid und Qualen erleiden müssen – stehen Ihr Leben lang alleine mit dem Ihnen zugefügten Leid da, tragen die Konsequenzen der Missbräuche, Experimente, Mangelernährung bis heute alleine. Ein Flüchtling wird versorgt, bekommt Unterstützung wo es möglich ist. Sollte es den ehemaligen Heimkinder – nicht mindestens genauso ergehen dürften? 


 

Nachwort

Das war ein Einblick in die Erlebnisse, Erfahrungen und Gedanken meiner Mutter. Wir möchten diese wichtige Thematik weiter aufgreifen – um das Thema einerseits aufzuarbeiten, zu informieren und für eine Verbesserung zu kämpfen und Betroffenen eine Stütze und halt zu sein. Auch möchten wir über die Zeit danach berichten und wie meine Mutter es geschafft hat mit dem Ihr zugefügten Leid – heute trotz allem eine liebevolle, erfolgreiche und wundervolle Frau und Mutter zu werden – um andere Menschen zu motivieren – auch die schwierigsten Hindernisse im Leben erfolgreich zu meistern.